Leitfaden

So führen Sie eine Risikobewertung

Eine Risikobewertung muss nicht kompliziert sein. Hier finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, mit der Sie Ihre erste Risikobewertung an einem Nachmittag erstellen – egal ob Sie Geschäftsführer eines 15-Personen-Unternehmens sind oder als Berater für einen Kunden tätig.

By Kim Borg, Founder, RiskNote · Last updated

Was ist eine Risikobewertung?

Eine Risikobewertung ist ein strukturierter Prozess, um Risiken zu identifizieren, die Ihre Ziele beeinträchtigen können, deren Schweregrad zu beurteilen und zu entscheiden, wie damit umzugehen ist. Der Kernprozess ist derselbe, ob Sie Informationssicherheit, Arbeitsschutz, Projektrisiken oder Geschäftsrisiken bewerten.

Der globale Standard für Risikomanagement ist ISO 31000:2018. Er beschreibt einen generischen Prozess (identifizieren, analysieren, bewerten, behandeln, überwachen), der für jede Organisation und jede Art von Risiko funktioniert. Er ist nicht zertifizierbar, bildet aber die Referenz, auf der andere Standards (ISO 27001, NIS2, DORA) aufbauen.

Arbeitsplatz-Risikobewertung — AFS 2001:1 und SAM

In Schweden ist das systematische Arbeitsumgebungsmanagement (SAM) durch die Vorschrift AFS 2001:1 der schwedischen Arbeitsschutzbehörde geregelt. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Arbeitsumgebung kontinuierlich zu untersuchen, zu bewerten, zu behandeln und nachzuverfolgen – nicht als einmaliges Projekt, sondern als fortlaufender Zyklus.

Die Risikobewertung muss schriftlich erfolgen (sobald das Unternehmen mehr als zehn Beschäftigte hat), mindestens jährlich überprüft werden und stets vor wesentlichen Änderungen: neue Ausrüstung, neue Organisation, neue Aufgaben, Standortwechsel oder Anschaffungen, die die Arbeit betreffen.

  • Untersuchen

    Arbeitsbedingungen erfassen. Begehungen, Mitarbeiterbefragungen, Krankheitsstatistiken und Vorfallmeldungen sind typische Quellen.

  • Bewerten

    Jedes identifizierte Risiko nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere beurteilen. Physische, ergonomische, chemische, biologische, psychosoziale und organisatorische Risiken sollten alle abgedeckt sein.

  • Behandeln

    Schriftlicher Maßnahmenplan mit Maßnahme, Verantwortlichem, Frist und Nachverfolgung. Alles, was nicht sofort behoben wird, kommt in den Plan.

  • Nachverfolgen

    Prüfen, ob die Maßnahmen umgesetzt wurden und die beabsichtigte Wirkung hatten. Die Bewertung bei Änderungen oder mindestens jährlich überarbeiten.

Die Einbindung der Sicherheitsbeauftragten ist verpflichtend. Wenn das Unternehmen einen Sicherheitsbeauftragten hat, muss dieser in die Bewertung einbezogen werden (schwedisches Arbeitsumgebungsgesetz, Kap. 6 § 4). Die Dokumentation muss für Inspektionen der Arbeitsschutzbehörde verfügbar sein.

Arbeitsplatzrisiken und Informationssicherheitsrisiken überschneiden sich häufig (z. B. Stress bei Vorfällen, DSGVO-Anforderungen an die Arbeitsplatzüberwachung). Eine integrierte Bewertung spart Zeit – erfordert aber funktionsübergreifende Expertise.

Schritt 1. Vorbereitung

  • Rückhalt durch die Geschäftsleitung

    Eine Risikobewertung ohne Rückendeckung der Geschäftsleitung wird zu einem Dokument, das nie gelesen wird. Sorgen Sie dafür, dass jemand aus der Geschäftsleitung den Prozess verantwortet. Eine einseitige, vom CEO unterzeichnete Risikomanagement-Richtlinie reicht aus.

  • Geltungsbereich festlegen

    Was soll bewertet werden? Das gesamte Unternehmen, ein bestimmter Bereich, ein Projekt, ein spezifischer Prozess (z. B. Verarbeitung personenbezogener Daten)?

  • Risikotoleranz definieren

    Welche Risiken sind Sie bereit zu akzeptieren? Welche erfordern Maßnahmen? Definieren Sie drei oder vier Stufen (z. B. Score 1–3 = akzeptieren, 4–7 = beobachten, 8–14 = Maßnahmenplan, 15–25 = sofortige Maßnahme).

  • Die richtigen Personen einbeziehen

    Eine Risikobewertung durch eine einzige Person ist die Meinung einer einzigen Person. Laden Sie 3–6 Schlüsselpersonen mit unterschiedlichen Perspektiven ein: Betrieb, Finanzen, IT, Kundenverantwortung.

Schritt 2. Risiken identifizieren

Dies ist der wichtigste Schritt. Ein übersehenes Risiko ist gefährlicher als ein falsch bewertetes.

Einige Techniken zur Risikoidentifikation:

  • Strukturiertes Brainstorming

    Versammeln Sie die Gruppe und gehen Sie Geschäftsbereich für Geschäftsbereich durch. Fragen Sie: „Was kann hier schiefgehen?“

  • KI-Vorschläge als Ausgangspunkt

    Tools wie RiskNote nutzen KI, um pro Analyse 5 branchenrelevante Risiken vorzuschlagen. Gut, um Risiken zu erfassen, die Sie noch nie gesehen haben.

  • Frühere Vorfälle prüfen

    Was ist zuvor schiefgegangen? Bei Ihnen, bei Wettbewerbern, in der Branche?

  • Standardlisten prüfen

    ISO 27005 enthält Kataloge typischer Informationssicherheitsrisiken. Arbeitsschutzvorschriften bieten Beispiele für Arbeitsplatzrisiken. Als Checklisten verwenden.

  • Prozessdurchlauf

    Gehen Sie einen kritischen Prozess (z. B. Rechnungsstellung, Einstellung, Systembetrieb) Schritt für Schritt durch und fragen Sie: „Was kann hier schiefgehen?“

Schritt 3. Risiken analysieren

Beurteilen Sie für jedes identifizierte Risiko Eintrittswahrscheinlichkeit und Konsequenz. Üblich ist eine 5x5-Matrix (Wahrscheinlichkeit 1–5 × Konsequenz 1–5 = Score 1–25).

Entscheidend ist die konsistente Anwendung der Skala. Definieren Sie jede Stufe im Vorfeld, damit alle Beteiligten das gleiche Verständnis nutzen.

  • Wahrscheinlichkeit 1–5

    1 = selten (einmal in 10 Jahren), 3 = möglich (einmal alle 2–3 Jahre), 5 = nahezu sicher (mehrmals pro Jahr).

  • Konsequenz 1–5

    1 = vernachlässigbar (im Normalbetrieb handhabbar), 3 = moderat (erfordert Eingreifen der Geschäftsleitung), 5 = katastrophal (existenzbedrohend).

  • Bewertung in der Gruppe

    Die Beurteilung einer einzelnen Person ist subjektiv. In der Gruppe erhalten Sie Nuancen und Konsens.

  • Begründung dokumentieren

    Schreiben Sie eine Zeile dazu, warum Sie eine bestimmte W und K gewählt haben. Hilft bei der späteren Überprüfung.

Schritt 4. Bewerten und priorisieren

Sobald jedes Risiko einen Score hat, vergleichen Sie ihn mit Ihrer Risikotoleranz. Kritische Risiken (z. B. Score 15–25) erfordern einen sofortigen Maßnahmenplan. Hohe Risiken (8–14) benötigen eine strukturierte Reaktion. Mittlere und niedrige können überwacht werden.

Achten Sie auf schwarze Schwäne – Risiken mit geringer Wahrscheinlichkeit, aber katastrophalen Folgen (W=1, K=5 ergibt Score 5, der niedrig wirkt, aber existenzbedrohend sein kann). Nutzen Sie qualitatives Urteilsvermögen, nicht nur den Score.

Schritt 5. Risiken behandeln

  • Akzeptieren

    Das Risiko liegt innerhalb der Toleranz. Dokumentieren und weitermachen.

  • Reduzieren (mitigieren)

    Maßnahmen ergreifen, um Wahrscheinlichkeit oder Konsequenz zu verringern. Die häufigste Wahl. Maßnahme, Verantwortlichen und Frist dokumentieren.

  • Übertragen

    Versicherung, Outsourcing oder vertragliche Klauseln, die das Risiko verlagern. Hinweis: Manche Risiken (z. B. Reputation) lassen sich nicht übertragen.

  • Vermeiden

    Auf die Aktivität verzichten, die das Risiko erzeugt. Manchmal die einzige vernünftige Wahl.

Schritt 6. Überwachen und überprüfen

Risiken verändern sich. Neue entstehen, alte werden irrelevant, Maßnahmen verändern das Bild. Eine Risikobewertung hat ein Verfallsdatum.

Praxis: vierteljährliche Überprüfung für operative Risiken, jährlich für strategische. Projektrisiken werden pro Sprint oder Steuerungsgruppensitzung aktualisiert. Bei wesentlichen Änderungen (neuer Lieferant, regulatorische Änderung, Systemwechsel) stets eine neue Runde.

Häufig gestellte Fragen zur Risikobewertung

Wie lange dauert eine erste Risikobewertung?

Für ein KMU: 2–4 Stunden für die erste Runde der Identifikation und Bewertung. Plus 1–2 Stunden für die Maßnahmenplanung. Insgesamt ein halber Arbeitstag für eine fähige Person, die das Unternehmen kennt.

Benötigen wir einen zertifizierten Risikoberater?

Für eine interne Bewertung nicht. Für Zertifizierungen (ISO 27001, ISO 9001) oder besonders komplexe Bereiche (DORA im Finanzwesen, DSGVO-DSFA bei risikoreicher Verarbeitung) kann externe Expertise wertvoll sein.

Ist die 5x5-Matrix verpflichtend?

Nein. ISO 31000 ist bezüglich der Matrixgröße neutral. 5x5 ist gängige Praxis. 3x3 ist für die meisten Zwecke zu grob. Einige Organisationen verwenden 7x7 oder qualitative Kategorien statt numerischer Skalen.

Was ist der Unterschied zwischen Risiko und Issue?

Ein Risiko ist etwas, das in der Zukunft eintreten könnte. Ein Issue ist etwas, das bereits eingetreten ist. Risiken werden über die Risikobewertung behandelt. Issues werden über das Incident-Management behandelt. Beide Prozesse werden benötigt.

Sollten wir Risiken vor oder nach Mitigation bewerten?

Beides. Bruttorisiko (vor Mitigation) zeigt, wie schlimm es ohne Kontrollen werden könnte – wichtig, um Investitionen zu begründen. Nettorisiko oder Restrisiko (nach Mitigation) zeigt das tatsächliche Bild. Von ISO-27001-zertifizierten Organisationen wird erwartet, beides auszuweisen.

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